Kunstgeschichten

zur Ausstellung »Vidéo Vintage«

Diese Zeilen sind vor Ort in der Ausstellung selbst entstanden. Falls Sie dieser einen Besuch abstatten, wissen sie warum. Kaum eine andere Ausstellung lädt den Besucher auf so charmante und im wahrsten Sinne des Wortes bequeme Art zum Verweilen ein. Die Rede ist von »Vidéo Vintage 1963 – 1983. Eine Auswahl von Gründungsvideos aus der Sammlung des Centre Pompidou Paris«. Diese Ausstellung versammelt nicht nur die populärsten Videoarbeiten aus der Gründungsphase des künstlerischen Mediums Video, sondern präsentiert diese auch noch unter originalen Bedingungen. Gemütlich auf Vintage-Möbeln Platz nehmend, kann sich der Besucher der Ausstellung die Werke auf frühen, originalen Fernsehapparaten ansehen. So ist jede Videoarbeit einzeln oder als kleine Gruppe in einer individuell ausgestatteten Insel, bestehend aus dem auf einem Tisch befindlichen Fernsehapparat und dem darum angeordneten Sitzmobiliar, zu erleben. Fernsehgerät und Möbel sind der Entstehungszeit der Videoarbeit angepasst, um ein möglichst authentisches Ausstellungsszenario zu erschaffen.

Der Besucher begibt sich auf eine Zeitreise zurück zu den technischen und ästhetischen Bedingungen der 60er bis 80er Jahre. Angesichts dieses Ausstellungsszenarios fällt es dem Besucher leichter, sich mit Muße und Ruhe auf die gezeigten frühen Videowerke einzulassen. Neben der Betrachtung der Videoarbeiten lässt sich auch ein interessanter Gedanke aus dem in der Ausstellung stark aufscheinendem Kontrast zwischen der präsenten Materialität der Möbel und technischen Geräte und den immateriell flackernden Videobildern entwickeln. So erscheint es gewohnt den Vintage-Möbeln das Attribut eines ‚Originals’ zuzuschreiben, doch was lässt sich in Bezug auf die Videoarbeiten sagen? Hierbei wird deutlich, dass der Begriff des ‚Originals’ sich in Bezug auf seine Verwendung über den Bezugsrahmen der Kunst in ihrem schöngeistigen, autonomen Sinn hinaus entwickelt hat.

Die handfeste, greifbare Erscheinung von Lampe, Stuhl und Tisch lassen den Möbeln schnell den Stellenwert eines Originals angedeihen, wohingegen die ephemere, immaterielle Qualität des Videokunstwerkes uns darüber ins Grübeln bringt. Doch wären wir schließlich nicht die Ersten, die sich mit dieser Thematik beschäftigen. Wenn Walter Benjamin in seinem Aufsatz ‚Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit’ den neuen Medien Fotografie, Film und Video die Möglichkeit ein ‚Original’ zu sein aberkennt, so plädiert Boris Groys hingegen für die Originalität eines jeden Abspielens oder Aufführens einer Videoarbeit, sieht diesen Vorgang als performativen und damit auch einzigartigen, originalen Moment an. Über dieses Reaktivieren aktueller Debatten in der Kunstwissenschaft – siehe Boris Groys – zeigt die Ausstellung, dass Vergangenes nicht vergangen sein muss und eine Auseinandersetzung damit lohnenswert ist.

Text: Stephanie Syring

Weitere Beiträge zur Ausstellung bei Kunst+Film

 

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  • macmahony
    Februar 16, 2013 //

    was soll dieser bezug auf “original” und “wiederholung”? die dargestellten Beiträge zeigen einfach meilensteine der videokunst und sollten einen ständigen platz in einem “medienmuseum” einnehmen.

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