Konferenz

LISA Conference 2012 – Software Programmierung als Kunst

Wie wird sie gesammelt? Wie kann sie die Zeit überdauern? Wo und an wen wird sie verkauft? Welche Rolle spielen die sozialen Medien bei ihrer Herstellung? Und: wie verändert sie die Sprache der Kunst und den Raum in dem sie ausgestellt wird?

Sie – die Software Kunst ist laut Isabel Draves auf einem guten Weg die neue künstlerische Bewegung zu werden. Seit drei Jahren veranstaltet sie daher regelmäßige Treffen in New York – die LISA Salons – mit dem Ziel eine Community unter den Software Künstlern zu etablieren.

Der Erfolg ihrer Bemühungen wurde nun auch nach Außen sichtbar: Vom 14.-16. Oktober 2012 fand die erste LISA Konferenz im Guggenheim Museum, New York statt. LISA ist die Abkürzung für „Leaders in Software and Art“ und steht für innovative Arbeiten auf Basis von Computerprogrammierung. In Podiumsdiskussionen, Keynotes sowie Kurzpräsentationen künstlerischer Arbeiten, wurden die vielfältigen Facetten der Software Art beleuchtet.

Unter der Überschrift „Collecting New Media Art“ diskutierten Sammler wie Michael  Spalter, Kuratoren und Künstler über die Schwierigkeiten neue Medienkunst zu verkaufen und der daraus resultierenden Rück-Transformation in traditionelle Kunstformen. Verknappt gesagt: Über den Ladentisch geht häufig kein USB-Stick, sondern der limitierte Druck einer Visualisierung.

Ein weiteres Panel war dem Thema “Creative Coding Tool Kits” gewidmet. Hier wurden neben Processing [1], die Programmiersprachen bzw. Entwicklungsumgebungen Cinder [2], Max/MSP [3] sowie openFrameworks [4] vorgestellt. Im Fokus standen die unterschiedlichen Nutzerszenarien (so kann Processing auch von Einsteigern genutzt werden, Cinder ist komplexer und richtet sich eher an Fortgeschrittene) und das künstlerische Potenzial der Programme. Zach Lieberman, Vertreter von openFrameworks richtete sein Augenmerk auf die Bedeutung der Partizipation der Community. OpenFrameworks, definiert als „c++ tool kit designed to assist the creative process by providing a simple and intuitive framework for experimentation” [5], lebt von der Beteiligung der Nutzer, die in sogenannten “libraries” Codes verändern, erweitern und ergänzen können.

Der Medienkünstler Scott Snibbe legte in seiner Keynote den Schwerpunkt auf seine Kunstwerke im App Format. Diese sind komplex und beruhen auf einer starken Involvierung der User. Exemplarisch veranschaulichte er dies durch seine wohl bekannteste Arbeit: „Biophilia“ (2011). Das erste sogenannte „App-Album“ wurde für und unter Mitarbeit der isländischen Künstlerin Björk kreiert. Die multimediale App „Biophilia“ basiert auf der Visualisierung einer Galaxie in der jeder Stern für einen Song steht. Sie liefert einen interaktiven Klangkosmos, der den Nutzer selbst zum Komponisten werden lässt.

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Snibbe, der 2011 den ZKM-AppArtAward in der Kategorie „Technischer Innovationspreis“ [6] gewann, sieht die Zukunft der Apps trotz eigener Ambitionen kritisch. Statt Quantität sollte mehr auf Qualität geachtet werden. Weniger effekthascherisch, sondern innovativ und kreativ sollten sie sein.

Was das konkret bedeuten kann zeigt die App des Software Künstlers Scott Draves  „Electric Sheep“ [7], die er im Rahmen des Panels „Crowdsourced and Social Media Art“ vorstellte. Draves hat mit seiner Anwendung den diesjährigen AppArtAward in der Kategorie „Cloud Art“ gewonnen. „Electric sheep“ ist ein kollaboratives Kunstwerk, das die Rechenleistung aller Computer nutzt, auf denen es installiert ist. Das Ergebnis sind farbenprächtige abstrakte Animationen, deren Gestalt vom User bewertet und verändert werden können.

Wie groß die Bandbreite der Software Art ist, zeigten die „Lightning Talks“ junger aufstrebender Künstler. In kurzen Präsentationen beleuchteten sie einzelne ihrer Projekte und sprachen über den inhaltlichen Schwerpunkt ihrer Arbeiten.

Mit Hilfe von Mikrophonen und Lautsprechern baut die Musikerin Lesley Flanigan ihre eigenen „Feedback-Instrumente“. Die Rückkopplungsgeräusche, die durch die Nähe der beiden Objekte entstehen, überlagert sie durch ihre eigene Stimme. Es entsteht elektronische Musik in skulpturaler Gestalt. [8]

Die Omnipräsenz von Computern hat Auswirkungen auf das Verhalten im öffentlichen Raum, sowie auf dessen Wahrnehmung. Mark Shepard widmet sich diesen Folgen und entwirft Artefakte, die uns in Zukunft das Überleben in den Großstädten sichern sollen. In seinem Vortrag stellte er das „Survival Kit“ vor, das unter anderem einen „Ad Hoc Network Travel Mug“ enthält. Dabei handelt es sich um einen Kaffeebecher, der zweckentfremdet auch zur Nachrichtenübertragung genutzt werden kann. [9]

Die Visualisierung von Daten wird nicht nur im wissenschaftlichen und journalistischen Kontext immer populärer. Auch Künstler zapfen diverse Informationsquellen an, um sie anschließend in den Kunst-Kontext zu überführen. Martin Wattenberg präsentierte das Projekt „WindMap“, das er gemeinsam mit seiner Kollegin Fernanda Viegas initiiert hat. Die Basis für ihre Arbeit sind Informationen über Windgeschwindigkeit und –richtung in den USA, die aus der National Digital Forecast Datenbank stammen. Wattenberg und Viegas visualisieren sie auf ästhetische und informative Art und Weise, indem sie eine unsichtbare Energiequelle in ein sichtbares Ereignis überführen. [10]

Text: Julia Jochem

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[6] Die ausgezeichnete App „OscilloScoop“, die er gemeinsam mit Lukas Girling und Graham Mc Dermott produziert hat ist ein audiovisuelles DJ Tool, mit dem der User eigene Musiktracks bastelt und abspeichern kann. https://itunes.apple.com/de/app/oscilloscoop/id431862052?mt=8

 

  • Tomas Bauer
    März 26, 2014 //

    So habe ich Programmierung noch noch nie gesehen :o Danke dass du meinen Horizont erweiter t hast. Die BMWA () macht Webprogrammierung.

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